Quest Update

Christian Huberts

"All work and no pay makes Chris a dull boy."

Darum sucht er jederzeit nach spannenden Aufträgen als Freiberufler und/oder einer Festanstellung in den Bereichen Gaming, Kulturvermittlung, Öffentlichkeitsarbeit, Kuration, Beratung, Lehre, Forschung, Recherche, Kulturjournalismus, Redaktion oder Lektorat. Mehr zu seinem Profil gibt es hier im Blog, auf der offiziellen Homepage sowie bei Xing und torial.

Christian freut sich über konkrete Hinweise und faire Angebote!


Samstag, 8. Dezember 2012

Kleiner Rückblick: Pokémon, Militärgeheimnisse, Bientôt l’été und mehr…

Gerade geht nicht so viel – aus Gründen – daher ein zusammengesammelter Rückblick auf den vergangenen November und das erste Viertel des Dezembers:


Am 1. November 2012 war ich auf der vierten Nerd Nite Hildesheim und habe »Die 10 Gebote gegen Pokémon-Darwinismus« aufgestellt!


Leider gibt es weder Foto-, Video- noch Audioaufnahmen von meinem revolutionären Vortrag und ich traue mich nicht, weitere Präsentationsfolien hochzuladen, weil Team Rocket und/oder Richard Dawkins mich sonst verklagen. Daher nur kurz und knapp: Es ging um das rote und das blaue Testament, schlechte Darwin-Imitationen, anorganische Pokémon, explosive Pokémon-Selbstverteidigung, Geister-Pokémon, das (absolut überzeugende) Konzept der Emanation, der Weg eines Pokémons auf dem Sephiroth-Baum, Gottes-Partikel Gottes-Pokémon, berühmte Pokémon aus der Bibel (z.B. in der Offenbarung des Johannes), ユンゲラー und Uri Geller, tierische Kami und Yōkai, Henry Lewis' »oriental demons« und warum das alles bedeutet, dass es 151 Pokémon gibt und Gott der kreative Designer jedes davon gleich lieb hat. Amen!

Nun aber wieder ernst und seriös: Während der Produktion von Medal of Honor: Warfighter sollen Mitglieder der Navy Seals ihre beratende Tätigkeit etwas übertrieben und vertrauliche Informationen ausgeplaudert haben. Die Märkische Allgemeine hat am 9. November 2012 über das Skandälchen berichtet und mich als Experte zur Rolle von Militärberatern in der Computerspielindustrie und über die Marktbedingungen für Kriegs-Shooter befragt:

„Militärische Berater gehören mittlerweile zum Standard in der Werbung für Egoshooter“, sagt der Berliner Medienwissenschaftler und Computerspieleexperte Christian Huberts. „Die treten auf Messen oder in den Trailern auf und verleihen den Spielen einen Anstrich von Realität.“ Dabei gehe es meist um Taktik und moderne Waffentechnik. „Mit diesen Spielen lassen sich Milliarden verdienen. Realitätsnähe ist ein zentrales Kriterium der Spiele und wird von der Kundschaft erwartet“, sagt Huberts. In einigen Fällen trete die US-Army auch ganz offiziell als Berater auf und mache dadurch auch Werbung in eigener Sache, etwa für die moderne Ausrüstung und die Leistungsfähigkeit der Truppe.

Meine persönliche Einschätzung ist darüber hinaus, dass der Skandal mehr oder weniger inszeniert war oder zumindest bewusst von Electronic Arts in die Medien gedrückt wurde, um PR-technisch gegen den Platzhirsch Call of Duty anstinken zu können. Brisante Militärgeheimnisse in einem Ego-Shooter, das klingt schon ganz cool! Um so viel Aufmerksamkeit zu kriegen, muss Activision schon Zivilisten zum Abschuss freigeben.

Genug vom Krieg. Jetzt geht es um Kunst und Liebe. Tale of Tales haben mal wieder ein neues Computerspiel veröffentlicht und ich habe bei Superlevel über Bientôt l’été geschrieben. Mein Fazit:

Wie bei allen Spielen von Tale of Tales braucht auch Bientôt l’été seine Zeit, um die volle Wirkung zu entfalten. Die Atmosphäre erschließt sich nur mit etwas Geduld und erst nach und nach machen die Metaphern, die uns das Spiel anbietet, Sinn. […] Bientôt l’été lädt immer wieder zum Nachdenken über das Gespielte ein. Vielleicht ist es ein anti-environment, das uns zeigen will, dass wir schon längst distanziert voneinander in digitalen Wirklichkeiten nach dem besten Schachzug in einem schmerzhaften Spiel suchen. Die Sprache der Liebe in Zeiten der Telepräsenz. Oder es ist ganz anders. Kunst muss man selbst anschauen und ausprobieren, um sie verstehen zu können. Ganz egal ob im Museum oder am Computer.

In den Kommentaren tobt gerade noch eine große Diskussion zu Computerspielen als Kunst bzw. Nicht-Kunst. Tale of Tales sind leider nicht das selbstkritischste und humorvollste Entwicklerstudio, aber doch haben ihre Experimente genug Wirkung, um von mir einen künstlerischen Wert zugemessen zu bekommen, der über den reinen Fokus auf Interaktionsdesign in der neuen MoMa-Sammlung deutlich hinausgeht. Computerspiele sind eben nicht nur Design, sondern auch Ästhetik. Wer sich ein eigenes Bild machen will, kann Bientôt l’été ab dem 12. Dezember 2012 käuflich erwerben.

Wo wir gerade schon bei Ästhetik waren: Nicht vergessen, am 15. Dezember 2012 läuft die Deadline für Einreichungen zum Zwischen|Welten-Call for Papers aus. Wer noch eine zündende Idee zum neusten Schrei der ästhetischen Theorie des Computerspiels hat, möge sie möglichst bald einreichen. Eure Texte werden in allerbester Gesellschaft stehen!

Coming (hoffentlich) soon: Neuigkeiten zur Geschichtsvermittlung in Computerspielen, ein illustrierter Text über diese schicken Lederjacken sowie Möchtegernpirat Guybrush Threepwood, ein (wait for it) Kick-Essay™ (got it?) zur Notwendigkeit von mehr Körperlichkeit in den Game Studies und schließlich ein feiner Artikel zur ideologischen Dimension von Computerspielen in der kommenden WASD #2.

Und falls sich noch jemand fragt, woher ich soviel über Pokémon klugscheißen kann weiß:

(Foto: Hug A Pokemon)

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Character Info

Christian Huberts

Christian Huberts, Diplom-Kulturwissenschaftler, Jahrgang 1982, studierte »Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis« an der Universität Hildesheim.

Zur Zeit ist er freiberuflicher Redakteur für das Games-Bookazine WASD, kuratiert Texte auf piqd sowie tritt regelmäßig als Experte für digitale Spiele auf Kulturveranstaltungen auf. Er hat zuletzt an der University of Applied Sciences Europe in Berlin doziert und den Game Studies-Sammelband »Zwischen|Welten: Atmosphären im Computerspiel« im vwh-Verlag herausgegeben. Daneben schreibt er für wissenschaftliche Publikationen, Kulturmagazine sowie Online-Zeitungen diverse Artikel über die Partizipation an virtuellen Welten und die Kultur von Computerspielen.

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